Theologe fordert spirituelle Erneuerung der Friedensbewegung vor Osterprotesten

Theo Schlosser
Theo Schlosser
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Eine große Gruppe von Menschen nimmt an einer Protestdemo auf einer Straße in Washington, D.C. teil, wobei einige Schilder und Banner halten, andere Fahrräder fahren und Schilder, Bäume und ein klarer blauer Himmel im Hintergrund zu sehen sind.Theo Schlosser

Theologe fordert spirituelle Erneuerung der Friedensbewegung vor Osterprotesten

Moritz Fischer, ein 62-jähriger evangelischer Theologe und langjähriger Pazifist, fordert eine erneuerte Friedensbewegung, die in spiritueller Reflexion verwurzelt ist. Der Professor, der an der Hochschule für Weltchristentum und Missionsgeschichte in Hermannsburg lehrt, äußerte sich im Vorfeld der Osterfriedensaktion in Unterlüß – einer historischen Protestveranstaltung mit tiefen Wurzeln in der deutschen Friedensbewegung.

Fischers Engagement für den Frieden begann in den 1970er-Jahren, als er den Wehrdienst verweigerte. Stattdessen arbeitete er im Rahmen seines Zivildienstes mit schwerstbehinderten Jugendlichen. Jahrzehnte später bleibt er ein entschiedener Kriegsgegner, der sich trotz der Anerkennung einer möglichen "ultima ratio" im Sinne der Verantwortungsethik mit dem Konzept eines "gerechten Krieges" schwertut.

Die Osterfriedensaktion in Unterlüß entstand 1981 als Protest gegen die NATO-Atomraketenstationierung in Bergen-Hohne. In ihren Anfangsjahren mobilisierte die Bewegung Massen: 1983 blockierten über 100.000 Menschen Munitionstransporte. Zwar ist die Teilnahme seit den 1980er-Jahren zurückgegangen, doch die Initiative besteht weiter – mit jährlichen Mahnwachen und Demonstrationen. Aktuelle Proteste (2020–2025) richteten sich gegen NATO-Manöver, die deutsche Wiederaufrüstung und den Krieg in der Ukraine, darunter Blockaden 2023/24 sowie symbolische Baumpflanzungen als Zeichen der Abrüstung.

Fischer unterstützt die Tradition der Initiative, die sich gegen Militärisierung und Atomwaffen stellt. Für ihn verkörpert der Holzschnitt "Christus zerschlägt das Gewehr" die transformative Kraft Jesu. Die Osterbotschaft von Auferstehung und Befreiung vom Leid schließt für ihn auch die Überwindung des Krieges ein.

Doch der Theologe sorgt sich, dass die evangelische Kirche sich von ihrer Friedensethik entfernt. Zwar bleibe die Sehnsucht nach Frieden bestehen, doch christlicher Pazifismus sei nicht immer sichtbar – wie die Unterstützung des Moskauer Patriarchats für Putins Krieg oder die Haltung deutscher Kirchen zur ukrainischen Verteidigung zeigen.

Fischer hofft nun auf eine "neue" Friedensbewegung, die über frühere Modelle hinausgeht, indem sie persönliche Aggression und spirituelles Wachstum thematisiert. Kürzlich unterzeichnete er den Aufruf "Der Krieg muss enden! Gewaltfreiheit wirkt!", um die diesjährige Osterfriedensaktion zu unterstützen.

Die Initiative passt sich weiter an: Vom Massenprotest des Kalten Krieges hin zu kleineren, aber beharrlichen Aktionen gegen heutige Konflikte. Fischers Plädoyer für eine spirituell fundierte Bewegung spiegelt die größeren Debatten über Krieg, Ethik und den Platz des Glaubens im Aktivismus wider. Die anstehenden Veranstaltungen in Unterlüß werden erneut Aktivist:innen vereinen, die sich gegen Militärisierung und für gewaltfreie Lösungen einsetzen.

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