Invasives Unkraut bedroht 300.000 Hektar Ackerland in Deutschland
Invasives Unkraut bedroht 300.000 Hektar Ackerland in Deutschland
Schnell wucherndes Unkraut bereitet deutschen Landwirten massive Probleme
Die Gelbe Zypergrasart (Cyperus esculentus) breitet sich rasant aus und hat bereits über 300.000 Hektar Ackerland in Deutschland befallen – alleine 250.000 Hektar davon in Niedersachsen. Um die Lage in den Griff zu bekommen, haben die Behörden zum zweiten Mal in Folge die Notfallzulassung für ein spezielles Herbizid namens Permit erteilt.
Das Gelbe Zypergras verbreitet sich aggressiv über unterirdische Triebe und Knollen und wird oft unbewusst mit Landmaschinen von Feld zu Feld verschleppt. Dadurch stellt es eine ernste Bedrohung für Reihenkulturen wie Mais und Kartoffeln dar. Da das Unkraut wellenförmig wächst, gestaltet sich die Bekämpfung ohne eine Kombination aus chemischen und agronomischen Maßnahmen besonders schwierig.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat eine 120-tägige Notfallzulassung für Permit erteilt, ein Herbizid mit dem Wirkstoff Halosulfuron-methyl. Dieser wird systemisch von den Pflanzen aufgenommen – sowohl über die Blätter als auch die Wurzeln – und führt zu Vergilbung, Gewebetod und gestörtem Wachstum. Landwirte müssen das Mittel in zwei Schritten ausbringen: zunächst 15 g/ha, wenn das Unkraut das Stadium BBCH 14 erreicht, gefolgt von 20 g/ha im Stadium BBCH 16, mit einem Abstand von 7 bis 12 Tagen zwischen den Anwendungen. Die Gesamtmenge darf 1 hektar nicht überschreiten und muss in 200 bis 400 Litern Wasser pro Hektar verdünnt werden.
In diesem Jahr stehen 3.500 Kilogramm Permit zur Verfügung – genug, um bis zu 100.000 Hektar zu behandeln. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2025, als 1.050 Kilogramm für 30.000 Hektar reichten. Allerdings gelten strenge Auflagen: Auf drainierten Flächen darf das Herbizid aus Umweltschutzgründen nicht eingesetzt werden. Dr. Dirk Wolber rät, Permit mit Vorauflaufmitteln wie Adengo oder Iseran zu kombinieren und bei Bedarf mit einem Nachauflaufherbizid wie Maister nachzubehandeln.
Deutschland steht mit diesem Problem nicht allein da: Bis März 2026 hatten auch Frankreich, Belgien und die Niederlande Notfallzulassungen für Permit erteilt, um die Ausbreitung des Gelben Zypergrases einzudämmen.
Die Notfallzulassung von Permit gibt Landwirten ein gezieltes Werkzeug gegen das Unkraut an die Hand. Doch der Erfolg hängt von einer sorgfältigen Anwendung und einem integrierten Unkrautmanagement ab. Angesichts der weiteren Ausbreitung zeigt die erhöhte Herbizidmenge, wie dringend das Problem in ganz Europa geworden ist.
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