Zikadenplage bedroht Europas Ernten: Warum Landwirte alarmiert sind
Theo SchlosserZikadenplage bedroht Europas Ernten: Warum Landwirte alarmiert sind
Landwirte in ganz Europa sehen sich wachsender Bedrohung durch die Zikade Hyalesthes obsoleta ausgesetzt
Die Zikadenart Hyalesthes obsoleta, ein hartnäckiger Schädling, gefährdet zunehmend wichtige Nutzpflanzen in Europa. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen könnten die Erträge von Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse sinken – mit finanziellen Verlusten und möglichen Engpässen bei Grundnahrungsmitteln als Folge.
Die Zikade breitet sich aus, indem ausgewachsene Tiere in Rüben-, Kartoffel- und Gemüsefelder einwandern. Dort saugen sie Pflanzensaft und legen ihre Eier im Boden ab. Die Larven überwintern unter der Erde und greifen im Folgejahr die Wurzeln der Kulturen an.
Neben den direkten Schäden überträgt das Insekt auch pflanzenpathogene Erreger, die die Qualität von Zuckerrüben und Kartoffeln mindern. Da diese Krankheiten nicht direkt behandelbar sind, bleiben Landwirten nur vorbeugende Maßnahmen. Pestizide, insbesondere Neonikotinoide, wurden lange eingesetzt – doch wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf Bestäuberinsekten hat die EU ihre Verwendung stark eingeschränkt oder ganz verboten.
Trotz der Regularien sind Notfallzulassungen für Neonikotinoide im Kampf gegen den Schädling mittlerweile gängige Praxis. Die Zikade gedeiht besonders in modernen Anbausystemen, wo große Monokulturen und enge Fruchtfolgen ideale Bedingungen für ihre Ausbreitung schaffen. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), warnt, dass ohne chemischen Pflanzenschutz oder Saatgutbehandlungen einige essenzielle Kulturen in Deutschland langfristig nicht mehr rentabel angebaut werden könnten.
Die Resistenz und Anpassungsfähigkeit der Zikade stellt die europäische Landwirtschaft vor eine langfristige Herausforderung. Landwirte müssen den Spagat zwischen Schädlingsbekämpfung und Umweltschutz meistern, während sie weiterhin auf eingeschränkte Chemikalien angewiesen sind. Ohne Lösungsansätze könnten Ernteverluste und wirtschaftliche Belastungen in den kommenden Jahren weiter zunehmen.






