Traditionelle Apotheken kämpfen um ihre Zukunft gegen Online-Riesen
Deutschlands Arzneimittelversorgung steht vor einer entscheidenden Phase, warnt die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Matthias Schellenberg, Vorstandsvorsitzender der Bank, betont, dass die jetzt getroffenen Entscheidungen die Zukunft der lokalen Apotheken prägen werden. Als Hauptbedrohung für die traditionelle Apothekenlandschaft nennt er den wachsenden Wettbewerb durch ausländische Onlinehändler und heimische Einzelhandelsketten.
Der Markt für rezeptfreie Medikamente (OTC) hat sich in den letzten Jahren spürbar gewandelt. 2025 steigerten Online-Apotheken ihren Paketanteil um 0,3 Prozentpunkte, während stationäre Apotheken 3,4 Punkte einbüßten. Dieser Trend fällt zusammen mit dem Vorstoß großer Händler wie dm, Rewe, Amazon und Lidl in den Gesundheitssektor. Zwar wuchs der Selbstmedikationsmarkt von 2024 bis 2025 um 3,7 Prozent, doch die klassischen Apotheken kommen mit dieser Entwicklung kaum mit.
Die führenden Online-Anbieter verzeichnen indes ein rasantes Wachstum: Die Shop-Apotheke meldete im ersten Halbjahr 2025 einen Gesamtumsatz von 1,4 Milliarden Euro – ein Plus von 27 Prozent. Die Apo.com Group erreichte 2025 einen Umsatz von 375 Millionen Euro und übertrifft damit deutlich den allgemeinen Markttrend. DocMorris bleibt mit Abstand Deutschlands größte Versandapotheke und festigt seine Spitzenposition.
Die Apobank warnt davor, Arzneimittel wie gewöhnliche Konsumgüter zu behandeln. Schellenberg sieht in der Zunahme von Versand- und Online-Apotheken eine Gefahr für das flächendeckende Gesundheitsnetz vor Ort. Er unterstreicht die unverzichtbare Rolle der Präsenzapotheken bei der Arzneimittelsicherheit und der fachkundigen Beratung von Patientinnen und Patienten.
Auch die Landesregierungen zeigen sich besorgt über die Entwicklungen in der Branche und drängen auf regulatorische Anpassungen. Unklar ist jedoch, welche der Forderungen der Industrie im anstehenden parlamentarischen Prozess aufgegriffen werden.
Schellenberg fordert die Politik zum schnellen Handeln auf. Ohne Gegensteuer drohe die weitere Erosion der traditionellen Apotheken – mit Folgen für die Arzneimittelberatung und die Versorgungssicherheit. Entscheidend wird sein, wie die Abgeordneten auf die Herausforderungen des Sektors reagieren.






