27 March 2026, 08:33

Dänemarks Apothekenreform revolutioniert Medikamentenverkauf und Besitzstrukturen

Außenansicht der 'The Generics Pharmacy'-Filiale mit umliegenden Gebäuden, Infrastruktur und Fahrzeugen unter einem klaren blauen Himmel.

Dänemarks Apothekenreform revolutioniert Medikamentenverkauf und Besitzstrukturen

Dänemark hat seinen Apothekensektor durch tiefgreifende Reformen umgestaltet, die auf Liberalisierung und Kostensenkung abzielen. Statt traditionelle Apotheken zu stärken, hat die Regierung den Verkauf rezeptfreier Medikamente ausgeweitet und Abholstellen für Arzneimittel eingeführt – bis Oktober 2025 sollen es 350 geben. Diese Änderungen gehen mit strengeren finanziellen Auflagen für Apothekenbesitzer einher, darunter ein Rückzahlungsplan über 66 Millionen Euro, der 2025 in Kraft tritt.

Die Reformen begannen 2004, als Dänemark Handelketten den Verkauf rezeptfreier Medikamente erlaubte und damit Konkurrenz für Apotheken schuf. Seither ist die Zahl der Apothekenfilialen stark gestiegen – von 76 im Jahr 2001 auf heute 301. Die meisten neuen Standorte entstanden in Städten und dicht besiedelten Gebieten.

Auch die Besitzverhältnisse haben sich gewandelt. Die Zahl der Apothekenbesitzer sank um ein Fünftel, von 220 im Jahr 2001 auf 176 im Jahr 2023. Die verbleibenden Betreiber verwalten nun mehr Filialen: Im Durchschnitt ist jeder für 3,10 Standorte verantwortlich – 2015 waren es noch 1,95. Zudem müssen Inhaber bis zum 70. Lebensjahr arbeiten und können ihre Apotheke nur zum Buchwert über einen staatlich kontrollierten Prozess übertragen.

Der finanzielle Druck hat ebenfalls zugenommen. Ab dem 1. Januar 2025 müssen Apotheken 490 Millionen dänische Kronen (umgerechnet 66 Millionen Euro) über 20 bis 30 Jahre als "sektorale Verpflichtung" zurückzahlen. Gleichzeitig ist in Filialen, die verschreibungspflichtige Medikamente abgeben, kein Apotheker mehr vor Ort erforderlich – ein ausgebildeter Techniker reicht aus.

Die Veränderungen stoßen auch in der Wissenschaft auf Interesse. Dr. Claus Pöhlmann untersucht in seiner Doktorarbeit, ob das dänische Modell auf Deutschland übertragbar wäre. Doch zentrale Fragen – etwa zur aktuellen Rolle der Abholstellen im Vergleich zu klassischen Apotheken – bleiben ungeklärt.

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Die Reformen haben den Zugang zu Medikamenten erleichtert, die finanziellen Regeln für Apotheken jedoch verschärft. Mit mehr Abholstellen und weniger Besitzern, die mehr Filialen verwalten, hat sich die Struktur des Sektors deutlich verändert. Die langfristigen Auswirkungen auf Servicequalität und Wettbewerb sind jedoch noch offen.

Quelle