16 March 2026, 00:47

Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen die AfD in Hamburg

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen die AfD in Hamburg

Die Hamburger Lessing-Tage enden in diesem Jahr mit einem gewagten Theaterprojekt: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland. In dem fiktiven Prozess wird erörtert, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte.

Die Lessing-Tage, 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux initiiert, stehen in diesem Jahr unter der künstlerischen Leitung von Matthias Lilienthal, der bald die Berliner Volksbühne übernehmen wird. Raus Produktion bildet den politisch brisanten Höhepunkt des Festivals.

Rau ist bekannt für sein Konzept der "realen Fiktion" – eine Mischung aus Reenactments, Publikumseinbindung und dokumentarischen Elementen. Zu seinen früheren Arbeiten zählen Der Kongo-Tribunal (2015), die Moskauer Prozesse (2013) und das Manifest des Genther Stadttheaters (2018). Für dieses Projekt ersetzt er Schauspieler durch Juristen.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt den Vorsitz als Richterin. Der Prozess folgt formal echten Gerichtsverhandlungen, in denen Juristen über die Zukunft der AfD diskutieren. Das Publikum kann die Veranstaltung per Livestream des Theaters verfolgen.

Das Gerichtsverfahren gegen Deutschland findet vom 12. bis 14. Juli am Thalia Theater statt. Es führt Raus Tradition fort, Kunst mit realer politischer Debatte zu verbinden. Zwar ist das Urteil symbolisch – doch es spiegelt die aktuellen Diskussionen über Extremismus und Demokratie in Deutschland wider.

AKTUALISIERUNG

Der Prozess endete früher als angekündigt

Der inszenierte 'Prozess gegen Deutschland' ist bereits beendet, wobei die Ergebnisse wichtige Entwicklungen aufzeigen. Das Ereignis fand vom 14.-16. Februar 2026, nicht im Juli wie zuvor angegeben, statt. Eine Jury hat eine AfD-Verbot knapp abgelehnt, aber die Überprüfung eines Verbotsverfahrens empfohlen. Es wurden drei Fälle diskutiert: die Legalität der AfD, die Verherrlichung von Gewalt und soziale Medien-Einschränkungen für unter 16-Jährige.