24 March 2026, 08:36

Mainzer Dreigroschenoper glänzt im U-Bahn-Milieu mit scharfem Witz und Gesellschaftskritik

Buntes Plakat für das Musical "Les Saltimbanques" am Theatre de la Renaissance mit einer Zirkusszene-Illustration, fetter Titeltext, einer Leistungsbeschreibung und einer Liste der Namen der Darsteller.

Mainzer Dreigroschenoper glänzt im U-Bahn-Milieu mit scharfem Witz und Gesellschaftskritik

Das Mainzer Ensemble bringt eine frische, spielerische Interpretation der Dreigroschenoper ans Staatstheater Mainz

Unter der Regie von Jan Neumann verwandelt die Neuinszenierung den Klassiker in ein lebendiges Schauplatz im U-Bahn-Milieu. Die Produktion verbindet scharfe Gesellschaftskritik mit selbstironischem Humor und erntete bei der Premiere langen Applaus.

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Uraufgeführt 1928, zählt die Dreigroschenoper bis heute zu den einflussreichsten Theaterstücken des 20. Jahrhunderts. Lieder wie Die Moritat von Mackie Messer oder Seeräuber-Jenny wurden zu weltweiten Evergreens. Die beißende Satire auf Kapitalismus und menschliche Habgier wirkt aktueller denn je – etwa in der Zeile "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral".

Neumanns Inszenierung verlegt die Handlung in einen unterirdischen Bahnhofsraum, wo ein Bettler – und nicht, wie üblich, ein Bariton – Mackie Messer performt. Anika Baumann glänzt in mehreren Rollen, darunter auch als Brecht selbst, und überzeugt mit mühelosem Witz und perfektem Timing. Weitere Höhepunkte liefern Henner Momann, Maren Schwier, Liudmila Maytak und Verena Töhnjes, die Schauspiel und Gesang mit mitreißender Energie verbinden.

Das Stück scheut dabei nicht vor eigenen Widersprüchen zurück: Neumann verflicht Brechts moralinsauren Ton mit dessen geschäftstüchtiger Ader direkt in die Aufführung – eine ironische Ebene, die nachhallt. Wer eigentlich "die im Dunkeln" sind – die Schutzlosen, die Übersehenen oder gar die Darsteller selbst –, bleibt eine offene Frage.

Die Tickets kosten zwischen 17,50 und 45,50 Euro, inklusive Getränkegutschein. Nach der gefeierten Premiere ist die Produktion 2025 noch viermal zu sehen. Mit seiner mutigen, unterhaltsamen Neuinterpretation des Theaterklassikers bietet das Mainzer Ensemble sowohl kurzweiliges Vergnügen als auch Stoff zum Nachdenken.

Quelle