Krankenkassen-Chefs kassieren Gehaltserhöhungen – während Mitglieder mehr zahlen müssen
Greta JockelKrankenkassen-Chefs kassieren Gehaltserhöhungen – während Mitglieder mehr zahlen müssen
Führungskräfte bei den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland haben trotz der angespannten Finanzlage des Sektors deutliche Gehaltserhöhungen und Boni erhalten. Gleichzeitig erhöhen die Kassen die Beiträge für ihre Mitglieder und verlangen von den Leistungserbringern im Gesundheitswesen Einsparungen.
Bei der BKK Firmus verdient der neue Vorstandsvorsitzende Dirk Harrer nun 31.424 Euro mehr als sein Vorgänger im vergangenen Jahr. Bei der Handelskrankenkasse (HKK) stieg das Gehalt von Michael Lempe um 21.419 Euro – sein Gesamtverdienst beträgt damit 287.104 Euro. Diese Erhöhung erfolgte nach einer Beitragsanpassung für die HKK-Mitglieder.
Gordana Maršić, Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, sah ihr Gehalt von 185.000 auf 206.000 Euro steigen und erhielt zusätzlich einen Bonus von 6.938 Euro. Christine Enenkel von der Bahn-BKK erhielt 2024 eine Gehaltserhöhung von 178.750 auf 195.000 Euro sowie einen Bonus in Höhe von 44.688 Euro.
Peter Kaetsch, Chef von BIG direkt gesund, bekam eine Gehaltserhöhung von 28.750 Euro, während sein Stellvertreter Markus Bäumler 24.050 Euro mehr erhielt. Die AOK Niedersachsen zahlte ihren drei Top-Managern Boni zwischen 38.381 und 62.576 Euro – und das, obwohl der Zusatzbeitrag angehoben worden war. Auch die AOK Hessen vergab an ihre drei Führungskräfte nach einer Erhöhung des Zusatzbeitrags von 1,6 auf 2,49 Prozent insgesamt 159.767 Euro an Boni.
Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, bezog ein Gehalt von 319.400 Euro und erhielt zusätzlich 121.241 Euro für ihre Altersvorsorge. Trotz der finanziellen Belastungen im Sektor setzen sich die Gehaltserhöhungen und Bonuszahlungen fort.
In den vergangenen fünf Jahren sind die durchschnittlichen Zusatzbeitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen kontinuierlich gestiegen. Lag der Satz 2021 noch bei etwa 1,6 Prozent, kletterte er bis 2026 auf 2,9 Prozent.
Die Entwicklung zeigt: Während die Kassen die Beiträge für ihre Mitglieder erhöhen und gleichzeitig Kostensenkungen fordern, profitieren die Führungskräfte weiterhin von hohen Gehältern und üppigen Boni. Die Versicherten müssen mehr zahlen – doch die finanziellen Vorteile für das Top-Management bleiben unverändert.






