Dulger warnt vor Finanzkrise im Gesundheitssystem und fordert radikale Reformen
Theo SchlosserDulger warnt vor Finanzkrise im Gesundheitssystem und fordert radikale Reformen
Deutschlands Gesundheitssystem steht vor einer wachsenden Finanzkrise, warnt ein führender Wirtschaftsvertreter. Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), fordert dringende Reformen, um die explodierenden Kosten zu bremsen. Seine Vorschläge kommen zu einem Zeitpunkt, an dem eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission am Montag ihre Ergebnisse vorlegen wird.
Die Kommission zur Gesundheitsfinanzierung, die auf Initiative von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingerichtet wurde, soll die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisieren. Ihr Bericht wird zudem langfristige Lösungen für die Finanzierung des Systems untersuchen.
Dulger treibt eine Reihe weitreichender Änderungen voran. Er plädiert für einen sofortigen Ausgabenstopp, um die steigenden Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu begrenzen. Ein weiterer Vorschlag sieht die Abschaffung der beitragsfreien Familienversicherung für Ehepartner vor – eine Maßnahme, die dem System etwa drei Milliarden Euro einsparen könnte.
Weitere Reformen zielen auf Empfänger von Bürgergeld ab. Dulger schlägt vor, deren Krankenversicherungsbeiträge auf 140 Euro pro Person und Monat anzuheben. Diese Anpassung würde helfen, ein jährliches Defizit von rund zehn Milliarden Euro zu decken, das derzeit von anderen Beitragszahlern ausgeglichen wird.
Ein zentrales Problem bleibt die Effizienz. Dulger pocht auf den Abbau überflüssiger Krankenhauskapazitäten und die Einführung von Anreizen, um Abläufe zu verschlanken. Zudem kritisiert er die überhöhten Verwaltungskosten von mehr als 26 Milliarden Euro pro Jahr. Kritiker monieren, dass Deutschlands teuerstes Gesundheitssystem Europas nicht mit einer entsprechend hohen Qualität aufwartet.
Der am Montag erwartete Kommissionsbericht wird Schritte skizzieren, um die Zukunft des Systems zu sichern. Sollten die vorgeschlagenen Reformen umgesetzt werden, könnten sie die Finanzierung und Steuerung der Gesundheitsversorgung in Deutschland grundlegend verändern. Im Mittelpunkt steht dabei die Balance zwischen Kostendämpfung und der Aufrechterhaltung des Leistungsniveaus für alle Versicherten.






