Darmstädter Region kämpft um Rettung der letzten Apotheken vor der Schließungswelle
Bodo ZimmerDarmstädter Region kämpft um Rettung der letzten Apotheken vor der Schließungswelle
Ein kürzlich stattgefundenes Treffen im Landkreis Darmstadt-Dieburg hat die wachsenden Sorgen um die Zukunft der lokalen Gesundheitsversorgung in den Fokus gerückt. Landrat Klaus Peter Schellhaas, bekannt für sein Engagement beim Ausbau medizinischer Versorgungszentren (MVZ), diskutierte gemeinsam mit dem Apotheker Dr. Nojan Nejatian und der SPD-Kandidatin Christel Sprößler über die Stärkung der medizinischen und apothekerischen Netzwerke in der Region. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer Welle von Schließungen in ganz Deutschland.
Dr. Nojan Nejatian, Inhaber der Heegbach-Apotheke in Erzhausen, warnte vor dem Rückgang der öffentlichen Apotheken. Seit 2020 hat Deutschland etwa 12 Prozent seiner Apotheken verloren, in ländlichen Regionen wie Hessen betrug der Rückgang in den vergangenen 13 Jahren sogar fast 20 Prozent. In einigen Gemeinden gibt es mittlerweile überhaupt keine Apotheke mehr, was die Bewohner ohne einfachen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten zurücklässt.
Schellhaas setzt sich seit Langem für eine bessere Gesundheitsversorgung in der Region ein und hat zwei MVZ gegründet, die eine schnelle, persönliche Betreuung mit möglichst wenig Bürokratie bieten. Nejatian betonte, dass neue medizinische Zentren Apotheken integrieren sollten, um ein stärkeres lokales Netzwerk zu schaffen. Zudem wies er darauf hin, dass zuverlässige Apothekendienste für die öffentliche Gesundheit und Lebensqualität unverzichtbar sind.
Christel Sprößler, die SPD-Kandidatin, die Schellhaas nachfolgen möchte, versprach, seinen Ansatz fortzuführen. Sie bezeichnete die lokale medizinische Versorgung als gesellschaftliche Verantwortung – besonders angesichts der alternden Bevölkerung in Deutschland. Die Runde war sich einig, dass plötzliche Apotheken-Schließungen verhindert werden müssen, um Gemeinden nicht ohne nahgelegene Versorgungsmöglichkeiten zurückzulassen.
Der Rückgang der Apotheken hat Schwachstellen im System offenbart. Experten warnen, dass politische Untätigkeit die Lage weiter verschärfen könnte. Allein in Dortmund ist die Zahl der Apotheken seit 2012 um fast ein Viertel gesunken, was Befürchtungen über den künftigen Zugang zu Medikamenten schürt.
Das Treffen unterstrich die Notwendigkeit abgestimmter Maßnahmen zum Schutz der lokalen Gesundheitsversorgung. Angesichts der beschleunigten Schließung von Apotheken fordern Verantwortliche mehr Unterstützung, um die essenziellen Dienstleistungen aufrechtzuerhalten. Der Erfolg dieser Bemühungen wird entscheiden, ob die Bewohner auch künftig auf eine nahgelegene medizinische und pharmazeutische Versorgung zählen können.






