Aktivistin schenkt Weimers umstrittenen Gedichtband Kopfpilz der Nationalbibliothek
Bodo ZimmerAktivistin schenkt Weimers umstrittenen Gedichtband Kopfpilz der Nationalbibliothek
Die Hackerin und Aktivistin Martha Root hat den Debütgedichtband des Kulturministers Wolfram Weimer, Kopfpilz, der deutschen Nationalbibliothek geschenkt. Das 1986 erschienene Werk hatte Weimer in seinen frühen Zwanzigern im Selbstverlag veröffentlicht. Root digitalisierte das Buch zudem und stellte es kostenlos online zur Verfügung.
Die Übergabe erfolgte im Mai 2023. Root filmte die Aktion, verkleidet als pinkfarbener Power Ranger. Zudem plant sie, ein physisches Exemplar von Kopfpilz zu versteigern – der gesamte Erlös kommt der Initiative Lesen Hilft zugute, die linksgerichtete Buchhandlungen fördert.
Roots Vorgehen ist Teil einer umfassenderen Kritik an Weimer. Sie wirft ihm vor, sich nie mit den Inhalten seines Frühwerks auseinandergesetzt zu haben, darunter Gedichte wie Vorfreude (Antizipation), das in drastischer und makabrer Weise die Todeserwartung thematisiert. Ein weiteres Gedicht, Unglück (Unglück), enthält explizite und gewalttätige Bilder, die Root als Verherrlichung einer „Vergewaltigungskultur“ interpretiert.
Mit ihrer Aktion stellt Root auch Weimers politische Entscheidungen und mögliche Interessenkonflikte infrage, insbesondere seine Rolle beim Ludwig-Erhard-Gipfel. Indem sie Kopfpilz kostenfrei zugänglich macht, setzt sie einen Kontrast zu Weimers öffentlicher Betonung der Bedeutung physischer Mediensammlungen.
Der Gedichtband ist nun sowohl physisch als auch digital für die Öffentlichkeit verfügbar. Roots Schenkung und die geplante Versteigerung sollen Widersprüche in Weimers kultureller Haltung aufzeigen. Der Erlös wird unabhängige Buchhandlungen unterstützen, die sich an linken Werten orientieren.






