30 March 2026, 14:40

Syriens Übergangspräsident al-Scharaa sucht in Berlin Unterstützung für fragilen Neuanfang

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Syriens Übergangspräsident al-Scharaa sucht in Berlin Unterstützung für fragilen Neuanfang

Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa besucht diese Woche Berlin im Rahmen der laufenden Gespräche über die Zukunft Syriens. Die Reise folgt auf den Zusammenbruch des Assad-Regimes im Dezember 2024 und findet zu einer Zeit vorsichtiger internationaler Annäherung an die Übergangsregierung statt.

Seit dem Sturz des Assad-Regimes hat die internationale Gemeinschaft die neue syrische Führung schrittweise unterstützt. Die USA bezeichneten eine im März 2025 geschlossene Vereinbarung zur Eingliederung der von den Kurden geführten SDF-Gebiete als "historischen Meilenstein". Deutschland begrüßte die Einigung und sagte 218 Millionen Euro für den Wiederaufbau im Jahr 2025 zu. Auch Saudi-Arabien, die Türkei und westliche Staaten haben diplomatische und militärische Unterstützung angeboten. Am 13. März 2025 wurde eine Übergangsverfassung verabschiedet, die Wahlen bis 2030 vorsieht. Unterdessen leisten die Vereinten Nationen über UNHCR und OCHA weiterhin humanitäre Hilfe, obwohl Herausforderungen wie Minderheitenrechte und wirtschaftliche Erholung bestehen bleiben.

Sophie Bischoff, Ko-Vorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, nannte al-Scharaas Berlin-Besuch einen "richtigen Schritt", betonte jedoch die Notwendigkeit demokratischer Rahmenbedingungen. Sie warnte, die Übergangsregierung zeige bereits autoritäre Tendenzen und versuche, Kritiker zum Schweigen zu bringen. Die seit 2011 in Syrien aktive Gruppe setzt sich für eine stärkere Einbindung lokaler Gemeinschaften in die Wiederaufbaubemühungen ein.

Kritik kam auch von Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves, der bemängelte, Berlin konzentriere sich zu einseitig auf die Übergangsregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz hat die deutsche Unterstützung an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen geknüpft – ein Schritt, den Bischoff scharf ablehnt. Adopt a Revolution fordert zudem bessere rechtliche Absicherungen für Syrer in Deutschland, die in ihre Heimat zurückkehren möchten.

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Al-Scharaas Besuch unterstreicht das fragile Gleichgewicht zwischen internationaler Unterstützung und Forderungen nach demokratischen Reformen. Deutschlands finanzielle und politische Hilfe bleibt an Bedingungen geknüpft, während zivilgesellschaftliche Gruppen weiterhin auf breitere Teilhabe und den Schutz der Menschenrechte drängen. Die Übergangsregierung steht nun unter Druck, sowohl die Wiederaufbaubedürfnisse zu erfüllen als auch wachsende Bedenken hinsichtlich ihrer autoritären Tendenzen auszuräumen.

Quelle