Kfz-Nachmarkt im Umbruch: Warum Autofahrer zu unabhängigen Werkstätten wechseln
Bodo ZimmerKfz-Nachmarkt im Umbruch: Warum Autofahrer zu unabhängigen Werkstätten wechseln
Deutschlands Kfz-Nachmarkt durchläuft tiefgreifende Veränderungen, da sich Kundenpräferenzen und technologische Entwicklungen auf die Branche auswirken. Immer mehr Autofahrer setzen auf unabhängige Werkstätten statt auf markengebundene Servicecenter – getrieben von steigenden Kosten und sich wandelnden Bedürfnissen. Gleichzeitig betonten Experten auf einer aktuellen Fachveranstaltung, wie künstliche Intelligenz, digitale Werkzeuge und veränderte Konsumgewohnheiten Reparatur, Wartung und Vertriebsstrategien revolutionieren.
Der Trend zu unabhängigen Werkstätten hat seit 2020 an Fahrt aufgenommen, begünstigt durch eine alternde Fahrzeugflotte und strengere Abgasvorschriften. Obwohl der unabhängige Sektor bereits 2021 den größten Anteil am Verkauf von Diagnosegeräten hielt, bleiben Herausforderungen wie eingeschränkter Zugang zu Herstellerdaten (OEM) und die Komplexität der E-Mobilität bestehen. Imelda Labbé, Präsidentin des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), verwies auf diese Verschiebung im Kundenverhalten, ohne jedoch konkrete Studien ihrer Organisation zu nennen.
Auf derselben Veranstaltung wies Michael Hayer von EDAG Engineering auf eine weitere Verbraucherpräferenz hin: Europäische Autofahrer bevorzugen nach wie vor physische Bedienelemente im Fahrzeuginnenraum. Gleichzeitig verändern finanzielle Zwänge die Markentreue – 48,3 Prozent der Besitzer geben an, dass stark gestiegene Kosten ihre Wahl beeinflussen.
Effizienz und Automatisierung standen im Mittelpunkt der Diskussionen. Marten Kalmbach von der Kunzmann Group identifizierte Terminplanung und Rechnungsstellung als zentrale Bereiche, in denen KI Verschwendung reduzieren könnte. Paul Beer von Emil Frey Digital stellte die INSiDE Workbench vor, ein Tool zur Optimierung von Nachmarkt-Prozessen. Tolga Toker von der Bobrink Group berichtete, wie eine bundesweite Social-Media-Kampagne mittlerweile wöchentlich rund 200 Leads generiert.
Mit Blick auf die Zukunft prognostizierte Prof. Dr. Mario Fischer, dass Smartphones langfristig durch intelligente Datenbrillen ersetzt werden könnten. Dr. Eric Günter Krause und Rolf Bialas erörterten das Potenzial von KI, die Automobilfinanzierung grundlegend zu verändern, während Kai Vogler von der Volkswagen Financial Services (VWFS) maßgeschneiderte Servicepakete als Schlüssel für Kundenbindung hervorhob. Peter Schäfer von KreuterMedeleSchäfer ergänzte, dass regionale Vertriebsstrategien in Kombination mit starken Werkstattleistungen weiterhin entscheidend für die Kundenbindung seien.
Der Kfz-Nachmarkt passt sich an höhere Kosten, digitale Umbrüche und veränderte Kundenerwartungen an. Unabhängige Werkstätten gewinnen weiter an Boden, während KI und Automatisierungstools die Effizienz für Händler und Reparaturbetriebe steigern sollen. Wer seine Serviceangebote anpasst und neue Technologien nutzt, wird in diesem dynamischen Umfeld voraussichtlich die Nase vorn haben.






