23 April 2026, 14:57

"Kein Körper passt hier hin": Kims genderfluide Identitätssuche packt Berlins Bühne

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Lebensphasen einer Frau von der Kindheit bis zum Alter zeigt, mit fetter Schrift und detaillierten Elementen.

"Kein Körper passt hier hin": Kims genderfluide Identitätssuche packt Berlins Bühne

Die Bühnenadaption von Kein Körper passt hier hin, dem preisgekrönten Debütroman von Kim de l'Horizon, feierte vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne in Charlottenburg. Das Stück begleitet Kim, eine genderfluide Protagonist:in, auf ihrer Suche nach Identität, der Aufarbeitung von Trauma und dem Ringen um Selbstfindung – erzählt durch fragmentarische Erinnerungen und ungeschönte Erfahrungen.

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Kims Weg beginnt unter einer Blutbuche, die ihr Urgroßvater einst pflanzte – ein Ort, an dem sie Geborgenheit findet. Doch diese Stille wird jäh zerrissen, als die Demenz ihrer Großmutter sie zwingt, sich der Vergangenheit zu stellen. Bei der Spurensuche in der Familiengeschichte stößt Kim auf transgenerationale Traumata, die mit der Blutbuche verknüpft sind: ein Symbol für Verwurzelung und zugleich für Brüche.

Die Handlung katapultiert sich dann in die Gegenwart, wo Kim sich in Berlins Nachtleben stürzt und über die Dating-App Grindr Sex und Verbindung erkundet. Die Bühne vibriert vor roher Energie: zerrissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, beschwert mit Sand und Kugeln – eine Metapher für die Schwere von Erinnerung und Begierde.

Drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – verkörpern Kim und wechseln nahtlos zwischen Verletzlichkeit und Trotz. Ihr Spiel gipfelt darin, das "Große Meer" nach neunzig intensiven Minuten zur Ruhe zu betten und so ein Schweigen zu brechen, das schwer lastet von unausgesprochenem Schmerz.

Im Kern erzählt das Stück von Kims Kampf, Scham in Selbstakzeptanz zu verwandeln – in einem Körper, der sich genderfluiden Erfahrungen öffnet. Die Adaption bleibt dem Roman treu, der de l'Horizon 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis einbrachte.

Die Premiere markiert eine kühne Übertragung von de l'Horizons Werk von der Seite auf die Bühne. Das Publikum erlebte eine Geschichte, die Familiengeschichte, queere Identität und die Suche nach Zugehörigkeit zu einem schonungslosen, mitreißenden Narrativ verwebt. Der ausverkaufte Abend beweist: Der Roman strahlt auch in dieser neuen Form ungebrochen aus.

Quelle