23 May 2026, 18:28

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsenden Antifeminismus und fehlende Unterstützung

"Ich bin ein einsamer Krieger"

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsenden Antifeminismus und fehlende Unterstützung

Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt

In Deutschland nehmen antifeministische Angriffe zu – und damit auch die Bedrohungen gegen Gleichstellungsbeauftragte. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 63 Prozent der Beauftragten gezielte Vorfälle erlebt haben, wobei 40 Prozent in nur zwei Jahren mehrfach angegriffen wurden. Das Thema stand im Mittelpunkt des BAG-Kongresses in Lübeck, wo sich die Teilnehmenden unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“ versammelten, um die verschärfte Lage zu erörtern.

Die Probleme beschränken sich nicht auf verbale Drohungen. Symbole für Gleichberechtigung wie die orangen Bänke – Teil der UN-Kampagne „Orange the World“ – wurden in Städten wie Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler beschädigt oder zerstört. Gleichzeitig schwindet die politische Unterstützung für Gleichstellungsinitiativen, sodass viele Beauftragte ohne ausreichenden Schutz oder Ressourcen dastehen.

Beim BAG-Kongress in Lübeck trafen sich 70 Gleichstellungsbeauftragte, um Strategien gegen den wachsenden Antifeminismus auszutauschen. Die Teilnehmenden wiesen auf einen drastischen Anstieg der Vorfälle hin: Allein 2024 verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus 558 Angriffe – im Schnitt zehn pro Woche. Dazu zählten Vandalismus, Budgetkürzungen und direkte Bedrohungen, oft in Verbindung mit organisierten rechtsextremen Gruppen.

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Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, wie rechtsextreme Aktivist:innen nach einem öffentlichen Statement zu Gleichstellung vor ihrer Haustür aufgetaucht seien. Andere schilderten ähnliche Einschüchterungsversuche – bei gleichzeitig fehlender institutioneller Rückendeckung. Selbst die Bundesfrauenministerin sagte ihre geplante Teilnahme am Kongress kurzfristig ab, was als weiteres Zeichen für nachlassende politische Unterstützung gewertet wird.

Die Zerstörung der orangen Bänke – aufgestellt im Rahmen der UN-Kampagne gegen geschlechtsspezifische Gewalt – ist zu einem sichtbaren Symbol des Backlashs geworden. In Osnabrück wurde eine Bank mit Graffiti beschmiert, in Wiesbaden verschwand eine komplett, und in Annweiler verfälschten Vandalen den Kampagnenslogan. Diese Taten spiegeln ein größeres Muster der Feindseligkeit wider, das darauf abzielt, Fortschritte in Frauen- und Queer-Rechten rückgängig zu machen.

Trotz der Herausforderungen konzentrierten sich die Teilnehmenden des Kongresses auf den Aufbau von Netzwerken und den Austausch von Ideen, um ihren Widerstand zu stärken. Im Mittelpunkt standen praktische Wege, um antifeministischen Bewegungen entgegenzutreten – bei gleichzeitig schrumpfenden Ressourcen und wachsender Opposition.

Der Kongress in Lübeck endete mit einer klaren Botschaft: Antifeministische Angriffe nehmen zu, doch die Gleichstellungsbeauftragten sind entschlossen, sich zur Wehr zu setzen. Angesichts wöchentlicher Vorfälle und schwindender politischer Unterstützung wird der Bedarf an Solidarität und abgestimmten Maßnahmen immer dringlicher. Die beschädigten Bänke und bedrohten Beauftragten sind eindringliche Mahnmale für den anhaltenden Kampf um Frauen- und Queer-Rechte in Deutschland.

Quelle