EZB plant dreistufige Strategie gegen explodierende Energiepreise durch Iran-Krieg
Greta JockelEZB plant dreistufige Strategie gegen explodierende Energiepreise durch Iran-Krieg
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen klaren Plan vorgelegt, um die steigenden Energiepreise in Zusammenhang mit dem Iran-Krieg zu bekämpfen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte eine dreigliedrige Strategie vor, nachdem die Ölpreise die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten hatten – ein Niveau, das an vergangene Krisen erinnert. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund jüngster Preissprünge bei Energie, die die Inflation im Euroraum weiter anheizen.
Wie stark die EZB eingreift, hängt davon ab, wie schwerwiegend und langanhaltend die Preisschocks ausfallen. Ökonomen warnen, dass anhaltend hohe Preise das Wachstum bremsen könnten, während die Inflation hartnäckig hoch bleibt.
Die Ölpreise sind seit Ende Februar 2026 stark angestiegen, nachdem sich der Iran-Krieg zugespitzt und die Straße von Hormus gesperrt worden war. Mitte März erreichte der Preis für Rohöl mit 135,06 US-Dollar pro Barrel einen Höchststand – der jüngste in einer Reihe von Energieschocks seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Damals waren die Preise von 86 auf 130 Dollar hochgeschnellt, bevor sie wieder sanken. Doch der aktuelle Anstieg hat die Sorgen vor Inflation und wirtschaftlicher Instabilität neu entfacht.
Laut den internen Modellen der EZB liegen die Ölpreise derzeit im 95. Perzentil der erwarteten Werte – weit über dem normalen Bereich. Im ungünstigsten Szenario könnte die Gesamtinflation auf 4 Prozent steigen, um dann schnell wieder zu fallen, ohne die Kerninflation nennenswert zu beeinflussen. Ein schwerwiegenderer Schock jedoch könnte sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation über zwei Jahre hinweg hochhalten und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum für den Rest des Jahres 2026 zum Erliegen bringen, bevor sich 2028 eine langsame Erholung abzeichnet.
Lagardes Strategie sieht zunächst eine abwartende Haltung bei kurzfristigen Preisspitzen vor, da überstürzte politische Maßnahmen mehr schaden als nützen könnten. Sollte die Inflation das Ziel der EZB überschießen, aber vorübergehend bleiben, wird die Bank ihre Politik schrittweise anpassen. Nur bei anhaltenden und erheblichen Abweichungen der Inflation wird die EZB entschlossen und nachhaltig handeln.
Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, verglich den Entscheidungsprozess mit einem geordneten Probit-Modell – bei jedem Treffen wird abgewogen, ob der Schock ignoriert, moderat beantwortet oder entschlossen bekämpft werden soll. Unterdessen deuten die bevorstehenden Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf eine düstere Aussicht hin: höhere Preise und ein verlangsamtes Wachstum in den weltweiten Volkswirtschaften.
Der Plan der EZB spiegelt die Unsicherheit wider, die derzeit die Energiemärkte und die Inflationsentwicklung prägt. Sollten die Ölpreise auf dem aktuellen hohen Niveau verharren, könnte der Euroraum eine Phase der Stagnation durchlaufen, gefolgt von einer allmählichen Erholung. Die Reaktion der Bank wird davon abhängen, ob sich die Inflation als dauerhaft erhöht erweist – oder ob es sich lediglich um einen vorübergehenden Effekt der jüngsten geopolitischen Turbulenzen handelt.






