23 May 2026, 20:33

Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf der Bergkirchweih – und löst Debatte aus

Ich bin der Herr von Erlangen, euer Nachbar vom Land

Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf der Bergkirchweih – und löst Debatte aus

Für das diesjährige Bergkirchweih-Volksfest in Erlangen wurde eine Liste sogenannter „sexistischer“ Partyschlager verboten. Der Beschluss des Stadtrats erfolgte nach einer Beschwerde einer Frau, die angab, während des Festes begrapscht worden zu sein. Die Veranstalter fordern nun die Künstler auf, auf Lieder zu verzichten, die als beleidigend oder diskriminierend eingestuft werden.

Die Initiative begann bereits 2021, als der Erlanger Stadtrat – unterstützt von Mitgliedern von CSU, Linken und SPD – beschloss, Songs mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auf dem Fest zu verurteilen. Zwei Jahre später hat die Stadtverwaltung nun einen Index verbotener Titel erstellt, darunter Hits von Mickie Krause und Peter Wackel sowie den Kultsong Skandal im Sperrbezirk. Die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, prüften die Liste nach der jüngsten Beschwerde.

Die betroffene Frau, die sich gegenüber der Nürnberger Nachrichten äußerte, beschrieb, wie sie sich durch die Songtexte und unerwünschte körperliche Berührungen unwohl gefühlt habe. Ihr Bericht veranlasste die Stadt, ein Fest „ganz besonders frei von Diskriminierung“ anzustreben – eine Herausforderung angesichts der fast eine Million Besucher, die jährlich erwartet werden.

Wirtshausbesitzer reagierten skeptisch, einige zogen sogar Vergleiche zur Zensur in der DDR. Unterdessen äußerte Peter Wackel, dessen Lied Joana die Zeile Du geile Sau enthält, dass die neuen Regeln erklären könnten, warum viele Künstler Deutschland mittlerweile mieden. Der aktualisierte Fest-Slogan – „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“ – heizt die Debatte zusätzlich an.

Die Schwarze Liste soll für ein sicheres Umfeld auf dem Bergkirchweih sorgen, doch die Reaktionen bleiben gespalten. Mit dem nahenden Festbeginn müssen die Veranstalter nun Tradition und den Anspruch auf Inklusivität in Einklang bringen. Knapp eine Million Besucher werden bald sehen, wie sich die Änderungen in der Praxis bewähren.

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