02 April 2026, 14:29

EMAF in Osnabrück entfacht Streit um palästinensische Künstlerin und BDS-Debatte

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau mit Menschen und Bäumen und Text.

EMAF in Osnabrück entfacht Streit um palästinensische Künstlerin und BDS-Debatte

European Media Art Festival in Osnabrück löst Debatte aus

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat für Aufsehen gesorgt, indem es einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Samah Al-Sharif in sein Programm aufgenommen hat. Ihr Werk "Morning Circle" wird wie geplant gezeigt, doch lokale Politiker kritisieren die Entscheidung. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen nicht der Film selbst, sondern Al-Sharifs politische Äußerungen – insbesondere ihre angebliche Unterstützung für die BDS-Bewegung und Vorwürfe des Antisemitismus.

Gegen Al-Sharif werden Antisemitismusvorwürfe erhoben, die vor allem auf ihre Aktivitäten in sozialen Medien zurückgehen. Ein von ihr geteilter Beitrag mit einem Halloween-Kostüm wurde vom EMAF als mehrdeutig und interpretationsbedürftig bezeichnet. Kritiker hingegen argumentieren, ihre Nähe zur Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionen-Bewegung (BDS) sei deutlicher. Die 2005 von palästinensischen zivilgesellschaftlichen Gruppen ins Leben gerufene BDS fordert wirtschaftlichen und politischen Druck auf Israel in Fragen wie Besatzung und Flüchtlingsrechte. Während die Bewegung international Unterstützung erfährt – etwa durch BDS Berlin oder die Studierendenvertretung der Hertie School –, sieht sie sich auch mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert, die seit den antiisraelischen Protesten nach dem 7. Oktober 2023 zugenommen haben.

Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent Osnabrücks, erklärte, er hätte es vorgezogen, Al-Sharifs Beitrag aus dem Programm zu nehmen, um antisemitischen Erzählungen keine Plattform zu bieten. Sowohl die Stadt als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) distanzierten sich öffentlich von der Entscheidung des Festivals. Dennoch bleibt die Förderung des EMAF gesichert.

Das Festival verteidigt seine Programmwahl und verweist darauf, dass es in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet habe, ohne jüdische oder israelische Perspektiven zu vernachlässigen. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, warnte davor, palästinensische Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen zu bringen. Solche Schritte gefährdeten notwendige Dialoge, so Groß.

Die Vorstellung von "Morning Circle" wird wie geplant stattfinden – ohne Änderungen am Programm oder Kürzungen der Fördergelder. Während lokale Politiker an ihrer Ablehnung festhalten, zeigt die Haltung des Festivals die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischen Sensibilitäten. Die Debatte spiegelt größere Konflikte um BDS, Meinungsfreiheit und die Frage wider, wie Kulturinstitutionen mit umstrittenen Erzählungen umgehen sollen.

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