10 May 2026, 20:30

Der Flaggenstreit von 1926 entzündet die Weimarer Republik

Deutsche Flagge über Text auf einem Plakat

Der Flaggenstreit von 1926 entzündet die Weimarer Republik

Ein erbitterter Streit um die deutsche Nationalflagge spitzte sich 1926 zu, als sich die politischen Gräben vertieften. Der Konflikt, der seine Wurzeln in den Folgen des Ersten Weltkriegs hatte, sah rechte Kräfte für eine Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben kämpfen. Am 5. Mai jenes Jahres erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg ein umstrittenes Dekret, um die Spannungen zu entschärfen – doch es heizte sie nur weiter an.

Die Flaggenfrage schwelte bereits seit Gründung der Weimarer Republik. Die Nationalversammlung hatte einen brüchigen Kompromiss gefunden: Schwarz-Rot-Gold für die Nationalflagge, während die Handelsflagge sowohl alte als auch neue Farbkombinationen vereinte. Doch die Rechte, insbesondere die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), weigerte sich, dies zu akzeptieren. Im März 1926 forderte sie offiziell die Rückkehr zu den kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot.

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Reichskanzler Hans Luther, ein parteiloser Politiker, unterbreitete Hindenburg einen Lösungsvorschlag. Die daraufhin am 5. Mai erlassene Verordnung schrieb vor, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas beide Flaggen hissen sollten. Doch der Schritt ging nach hinten los. Statt Versöhnung bewirkte er, dass sich Linke und Mitte fest hinter Schwarz-Rot-Gold scharten. Selbst die Kommunisten, einst gespalten, reihten sich nun in diese Front ein – ein Zeichen dafür, wie scharf sich die Fronten seit der Revolution von 1918/19 zugespitzt hatten.

Edwin Redslob, der Reichskunstwart, hatte vergeblich versucht, eine einheitliche Flagge zu entwerfen. Trotz unzähliger Entwürfe und eigener Vorschläge fand sich kein Kompromiss. Hindenburg, der die eskalierende Krise erkannte, veröffentlichte am 9. Mai einen offenen Brief. Er mahnte eine verfassungsmäßige Lösung an, um den Riss zu kitten – doch zu diesem Zeitpunkt waren die politischen Lager bereits versteinert.

Die Spaltung hatte sich bereits bei der Reichspräsidentenwahl 1925 verfestigt. Zwei Blöcke standen sich gegenüber: der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Das Verbot des Anschlusses Österreichs durch die Alliierten hatte die Meinungen weiter polarisiert, wobei die Rechte an den alten Farben als Symbol des Widerstands festhielt.

Hindenburgs Verordnung trug wenig zur Beilegung des Flaggenstreits bei. Stattdessen legte sie den unüberbrückbaren Graben zwischen den Anhängern der Republik und den Nostalgikern des Kaiserreichs schonungslos offen. Die Frage blieb ein Zankapfel und spiegelte tiefere politische Brüche wider, die noch lange nach 1926 nachwirken sollten.

Quelle